Die längste Brücke der Welt - Johannes Berauer [more]

Grade 4+

Partitur und MP3

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 „Kennst du die längste Brücke der Welt?“
- Die Nibelungenbrücke in Linz. Sie hat einmal Russland und Amerika verbunden. Meine Großmutter hat mich damit als Kind mehr als nur einmal verblüfft.

Nach der Besatzungszeit konnte man sich wieder frei bewegen. Die Nibelungenbrücke war wieder eine normal Donaubrücke. Verband schlicht das Mühlviertel mit dem Rest Österreichs.

Das Mühlviertel, die Pufferzone zur Sowjetunion. An der Grenze zu Tschechien endete die Welt in unseren Köpfen. Ich muss zu meiner Schande feststellen, dass sich in meinen Gedanken die Welt noch immer gegen Westen hin weit erstreckt, während es in Richtung Norden und Osten dunkel und düster zu sein scheint. Dabei führt die Nibelungenbrücke seit 1989 wieder in die Weite. Mühlviertel, Böhmen, Prag, Polen .... das Tor zu einem ganzen Subkontinent.

Mit der jüngeren Geschichte als Ausgangspunkt beschäftigte ich mich mit den Fragen nach Freiheit und Unfreiheit bzw. wie viel Freiheit der Mensch überhaupt verträgt. 

Die Komposition beginnt als monotoner, eigentlich etwas zu schneller, Marsch. Die daraus resultierende Zwanghaftigkeit, soll die Absurdität von autoritären Strukturen thematisieren. Dazwischen mischen sich verträumte, choralartige Passagen, die fast naiv anmuten. Ich glaube, dass die Freiheit die wir meist anstreben, nur ein Abglanz der wirklichen Freiheit ist: 

der Freiheit im Herzen.

Der zweite Teil sollte eigentlich die ersten beiden Gedanken transformieren. Beim Schreiben trieb es mich aber in eine ganz andere Richtung. Aus der angedeuteten Transformation entwickelt sich eine etwas langsamere, melancholisch anmutende Musik. Dahinter steckt wohl die Frage: Wie frei sind wir wirklich in unserer westlichen  Welt, in der es scheinbar keine (oder fast keine) äußeren Einschränkungen mehr gibt?

So beginnt der Marschpuls das neue Tempo bald wieder zu überlagern und schließlich wieder bestimmend zu werden. Ist es nicht die eigene Unfreiheit im Geist, die uns, als Gesellschaft immer wieder Strukturen erschaffen lässt, die uns dann real in unserer persönlichen Freiheit einschränken oder sogar unser Leben bedrohen?

Johannes Berauer

  


Thoughts on the Composition

“Do you know about the longest bridge in the world?” – The Nibelungen Bridge in Linz. Once it connected Russia with America. My Grandma used to astonish me more than once with this fact.

After the occupation period one was able to move freely again. The Nibelungen Bridge again was a normal Danube bridge. Simply connecting the Mühlviertel with the remainder of Austria. The Mühlviertel, the buffer zone to the Soviet Union. At the boundary to the Czech Republic the world used to end in our imagination. I must admit to my shame that in my mind the world still extends far westwards, while towards the East it still is dark and gloomy. Yet the Nibelungen Bridge is leading into the open again since 1989. Mühlviertel, Böhmen, Prague, Poland ... the gate to an entire subcontinent.

Taking the recent history as a starting point, I brought up the question about freedom and bondage respectively how much freedom humans can take.The composition begins as a monotonous, actually somewhat too fast march.

The resulting compulsivity, should show the absurdity of authoritarian structures. In between there are almost naive and misty-eyed passages. I believe that the freedom we usually strive for, is only a mere reflection of the actual freedom: the freedom of heart.  

The second part was intended to transform the opening two musical ideas. But during the process of composing the music was heading into a totally different direction.  Instead of the indicated transformation a somewhat slower and seemingly melancholy music evolved. I believe that underneath lays the question: How much freedom do we actually have in today’s western world, which apparently should lack all (or almost all) external restrictions?  

This is why the marching pulse begins to infiltrate the new music and will eventually take over again. Is it not our own minds limitation, which has us (as a society) create bondages that limit our personal freedom or even threaten our life?

Johannes Berauer